Lebendiger Adventskalender 2015

Wie jedes Jahr fand auch 2015 der Lebendige Adventskalender in Bohmstedt statt. Im Vorfelde wurde abgesprochen, dass sowohl die Termine von Drelsdorf wie auch von Ahrenshöft mit veröffentlicht werden. So kam doch ein recht gut gefüllter Plan zustande. In Bohmstedt wurde der Lebendige Adventskalender u. a. von der Gemeinde, dem Gemischten Chor, der Gaststätte Waldheim sowie 7 weiteren Haushalten angeboten.

So war es in Bohmstedt wieder ein voller Erfolg. Wenn man die Besucherzahlen der einzelnen Tage mal betrachtet, so muss man sagen, dass fast jedes Mal zwischen 50 und 80 Personen kamen, erfreulicherweise auch aus den Nachbargemeinden. Und bei diesem Erfolg, auch wenn nicht jedes Datum belegt ist, werden wir auch im nächsten Jahr diese Tradition weiter fortführen.

 Ralf Kille

 

Schlittenvergnügen vor 20 Jahren

Der Klimawandel hat uns fest im Griff, so erscheint es uns auch in diesem Winter wieder, der eigentlich gar kein richtiger Winter ist. Auch wenn es seit einigen Tagen zumindest mal etwas Frost gibt und Frau Holle uns etwas Schnee schenkt.

Aber kaum ist der gerade von unseren Kindern so heiß ersehnte Schnee da, ist er auch schon wieder weggetaut. Oder die Räumfahrzeuge kommen mit ihren Salzstreuern und sorgen dafür, dass die Hoffnung der Kinder auf Schlittenfahren auf der Straße gar nicht erst aufkommt.

Nun sollen die Straßen und Wege ja auch freigemacht werden für Autos und Fußgänger, die Unfallgefahr wäre ja auch zu groß. Das war doch schon immer so, oder?

Nicht so im Jahre 1994 in Bohmstedt! Nachdem es in kurzer Zeit sehr viel Schnee gegeben hatte, haben sich alle Kinder mit ihren Schlitten auf den Weg zum Sandbarg gemacht. Gibt es hier doch den schönen Rodelberg, der für herrliche Abfahrten sorgt. Natürlich ging jedes Kind mit seinem Schlitten zu Fuß zum Sandbarg bzw. noch besser wurde von seinen Eltern dahin gezogen. Die Straßen waren ja noch nicht geräumt.

Und nun passierte das Schlittenwunder von Bohmstedt: Hartmut Henken sah die Kinder an seinem Haus zum Sandbarg hin ziehen. Er startete seinen alten McCormick und fuhr auch zum Sandbarg. Dann wurde ein Schlitten nach dem anderen an den Trecker angebunden. Und los gings gemächlich den Böwerweg entlang zur Lehmkuhle und zurück. Und noch einmal und noch einmal. Natürlich ganz langsam und die Eltern liefen nebenher, damit kein Kind zu Schaden kam.

Jeden Tag wurden es mehr Schlitten. „Die Kinder haben schon eine Stunde vor Beginn bei mir geklingelt und fragten, wann es denn endlich losgeht“ so Hartmut noch heute mit Leuchten in den Augen. An Spitzentagen waren es bis zu 70 Schlitten, die der alte McCormick ziehen musste! In 4er-Reihen hinter dem Trecker! „Ich habe bis zu 20 DM am Tag für Diesel verfahren“ so Hartmut weiter. „Ich habe jeden Tag 2 – 2 ½ Stunden auf dem Trecker gesessen und mir die Finger und Zehen abgefroren. Aber die Kinder (und auch die Eltern) hatten einen solchen Spaß, da konnte ich doch nicht nein sagen.“

Die Schlitten wurden von den Eltern extra verstärkt, damit sie den Zug aushalten konnten. Und Hartmut besorgte extra dicke Schiffstaue, die die ganzen Schlitten zogen. Es kamen sogar Kinder aus den Nachbardörfern Drelsdorf und Ahrenshöft, da sich dieses Vergnügen natürlich schnell herum gesprochen hatte. Am Trecker wurde eine laute Signalhupe angebaut. Wenn sie ertönte, wusste das Dorf: es geht wieder los!

Die Gemeinde Bohmstedt hat die Straßen Böwerweg und Schantoft in diesen Wochen nicht geräumt. Autos haben diese Straßen am Nachmittag gemieden, wusste doch jeder, dass zwischen 14 und 16 Uhr Schlittenfahren angesagt war. Unfälle sind in diesen Tagen keine passiert, auch weil der Trecker natürlich nur sehr langsam gefahren ist.

Unsere Kinder erzählen heute noch mit leuchtenden Augen von diesem Abenteuer. Die heutigen Kinder werden diese Geschichte wohl als modernes Märchen abtun, das man sich wünschen kann, das aber wohl nicht mehr wahr werden wird.

Hans Feddersen

Aus dem ehemaligen Geschäftsleben in Jinses Gaderum

Wie in allen Dörfern, so war früher auch in Bohmstedt das gewerbliche Leben wesentlich ausgeprägter als heute. Insbesondere in der Dorfmitte gab es mehrere Geschäfte und Handwerksbetriebe. So befanden sich in den 60er Jahren allein in Jinses Gaderum einige Dienstleistungseinrichtungen, die auch für uns, den damaligen Kindern, von Bedeutung waren.

Da war z.B. „de Schooster“ Hans Henken. Jeder, der an seinem Haus vorbeikam, konnte ihn durch das Fenster hindurch begrüßen und bei der Arbeit beobachten. Hans Henken wuchs im Hause seines Stiefvaters Hans Jakobsen auf. Von 1929 bis 1933 lernte er bei Christiansen in Bredstedt. In den dreißiger Jahren arbeitete er an verschiedenen Stellen in der Region. Auch die Landwirtschaft war ihm nicht fremd, denn Hans Henken war ein Jahr bei Jinses in Stellung. Nach Arbeitsdienst und Krieg kehrte er wieder in seinen angestammten Beruf zurück. Im Jahre 1952 machte Hans Henken sich dann in Jinses Gaderum selbständig.  Seine Hauptaufgabe bestand in der Reparatur; er verkaufte aber auch neue Schuhe und Stiefel. Besonders viel zu tun hatte er immer im Winter, wenn die Lehmkuhle zugefroren war und die Stiefelschuhe für das Eislaufen fertig gemacht werden mussten, denn einteilige Schlittschuhe gab es damals noch nicht. Nebenbei betrieb Hans mit seiner Frau Illa eine Eberstation. Man hielt ständig zwei Eber und auch einige eigene Sauen. Beides, die Schusterei und die Eberstation, betrieb Hans Henken bis zu seinem Tode im Jahre 1977 (vergl. zusammenhängend Bohmstedter Chronik, Heft4, S. 26). Die Maschinen und sonstigen Restbestände wurden verkauft und teilweise auch verschenkt. 1982 zog Hartmut Henken, Hans und Illas Sohn, wieder nach Bohmstedt und lebt bis zum heutigen Tag in seinem Elternhaus. Seine Mutter starb im Jahre 2001. Wer heute die ehemalige Werkstatt betritt, findet sich in einem Museum wieder. Hartmut ist ein leidenschaftlicher Sammler von Gebrauchsgegenständen aus früherer Zeit. Es handelt sich u.a. um Werkzeug aus dem Handwerk, Geräte aus der Landwirtschaft und dem Haushalt. Man findet dort z.B. Lampen für Kutsche und Eisenbahn, Waffeleisen, ein Butterfass, Dezimalwaagen, Fotoapparate, Telefone, ein Spinnrad und Werkzeuge aus der Schusterei seines Vaters. Die Liste der Ausstellungsstücke ist aber noch viel länger. Bevor Hartmut ein weiteres Teil in sein Privatmuseum stellt, wird es in dem ehemaligen Stall auf Hochglanz poliert. „Dor kann gern veel Russ an sitten, ick mook alles weer blank un gangbor,“ sagt Hartmut. Überhaupt hält er sich gerne in seiner Werkstatt auf, um mit Metall und Holz zu arbeiten. Dabei geht es nicht nur um die Restauration alter Gegenstände, Hartmut repariert auch gerne Dinge des heutigen Lebens, insbesondere Fahrräder. Stets finden sich Bohmstedter und Bekannte aus der näheren Umgebung zu einem Klönschnack ein. An der offenen Stalltür kann man immer erkennen, dass Hartmut in der Nähe ist. Bevor er Rentner wurde, arbeitete Hartmut in der Landwirtschaft und auf dem Bau als Maurer und Betonwerker.  

Wenige Häuser weiter konnte man sich die Haare schneiden lassen. In dem Haus, das heute von Petra und Jörg Carstensen bewohnt wird, unterhielt Fritz Neske ein Frisörgeschäft (vergl. auch Bohmstedter Chronik Heft 3, S. 129 und Heft 4, Seite 54). Fritz Neske stammte aus dem Kreis Graudenz in Westpreußen, wo er bereits vor dem Krieg ein Geschäft mit zwei Gehilfen betrieb. Als Soldat gehörte später einer Wehrmachtseinheit an, die 1945 hier in Bohmstedt aufgelöst wurde. 1946 heiratete er Anneliese Nissen, die Schwester von Christian-Martin und Hermann Nissen. In der kleinen Wohnung in Timmermanns Gaderum eröffnete Fritz Neske 1949 eine Frisierstube. 1959 wurde dann das Haus in der Dorfmitte (Jinses Gaderum) gebaut und bezogen. Es war seine ruhige und korrekte Art, die Fritz Neske einen festen Kundenstamm aus Bohmstedt und den Nachbardörfern bescherte. Anmeldungen waren damals nicht notwendig, obwohl oft viele Kunden in der Stube saßen. Man wartete geduldig bis man an der Reihe war, setzte sich dann auf den Stuhl und „kreech de Haar aff“. Über mögliche Veränderungen der Frisur wurde nicht verhandelt. Fritz Neskes Frau Anneliese war Gemeindeschwester. Sie kümmerte sich vorwiegend um die Älteren, aber auch Kinder mit kleinen Verletzungen wurden oft erst zu Anneliese gebracht, bevor es zum Arzt oder gar ins Krankenhaus ging.

Natürlich gab (und gibt) es weitere Betriebe in Jinses Gaderum. Darüber werde ich dann in einer späteren Ausgabe berichten.   

Peter Tücksen       

Zwei Jahre nach Sturm „Christian“

Wer hat sie nicht vor Augen, die Bilder, die uns dieser schwere Herbststurm brachte??

Unpassierbare Straßen, Wälder, die aufgehört hatten, zu bestehen? Umgestürzte Bäume in allen Dörfern? Zusammenrücken der Bewohner, „bewaffnet“ mit Motorsägen und schwerem Gerät wurden die Rettungswege frei bemacht…An all dies wird sich noch jeder gut erinnern können…

Doch was passierte in den Jahren danach, was ist aus den Schäden geworden???

In Bohmstedt hatte es am schwersten den Bauernwald „Haaks“ getroffen. Schon kurz nach dem Sturm begann man, den Wald aufzuräumen, Holz abzufahren, die Waldwege wieder für jederman frei zu räumen. Der Holzeinschlag, der normalerweise in 10 Jahren gemacht wird, wurde durch „Christian“ in einer Nacht umgeworfen.

Mittlerweile ist fast das ganze durch „Vollernter“ gewonnene Holz abgefahren. Im August begannen Traktoren mit Schreddern den Waldboden vorzubereiten, Stubben zu Schreddern auf den Flächen, die für eine Wiederaufforstung vorgesehen waren. Bei einer Fläche des Waldes von rund 100 ha, werden über den Winter und das Frühjahr 20 ha, also ein Fünftel der Gesamtfläche, gegattert und neu bepflanzt. Der Wald wird die nächsten Jahre anders aussehen, prägen doch die Neuanpflanzungen das Gesicht sehr. Aber mit der Zeit werden auch diese Jungbäume wachsen, und auch wenn wir es nicht mehr erleben werden, wird dieser Wald in seiner alten Schönheit eines Tages wieder durch kommende Generationen zu bewundern sein.

Außerhalb des Waldes gibt es sicher noch die ein- oder andere Ecke, wo noch umgestürzte Bäume zu sehen sind, aber alles in allem sind die Schäden beseitigt, die Wälder aufgeräumt und nur die leeren Flecken erinnern noch an diese schlimme Nacht vor zwei Jahren. 

Ralf Kille